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Ein Vorgeschmack vom Paradies
Ein ehemaliger Ministrant erinnert sich an Kirchenbau und Kirchenweihe

Wollte man ein Bild der Persönlichkeit unseres unvergessenen Pfarrers und Geistlichen Rates Dionys Mayer zeichnen, so wäre seine Weitsicht ein herausragendes Merkmal. 1942 zählte die Pfarrei etwa
3 200 Seelen und die Kirche St. Willibald war eigentlich schon zu klein geworden, was aber noch nicht so offensichtlich wurde, weil durch die zunehmende Bedrohung durch Fliegerangriffe Gläubige vom Kirchgang abgehalten wurden, besonders dann, wenn sie weite Wege zurücklegen mussten. Unsere Kirche lag ja zudem an "strategisch gefährdeter Stelle", es gab auch in der Nähe keine Schutzräume. Und nicht alle Pfarrangehörigen wohnten im Kernbereich von Eibach. 


Nach Kriegsende wiederholte sich in Eibach, was um 1900 mit der zunehmenden Industrialisierung Nürnbergs Anlass für den Bau der Kirche St. Willibald war: der Zuzug zahlreicher Menschen. Waren es damals vorwiegend Arbeiter aus der katholischen Oberpfalz, die in Nürnberg Lohn und Brot suchten, so kamen jetzt vorwiegend Heimatvertriebene aus dem katholischen Sudetenland, die eine neue Heimat suchten.

 

Gleich nach dem Krieg ging Pfarrer Mayer daran, neuen Wohnraum  zu schaffen. Mit Hilfe des "Werkvolk Siedlungswerkes" wurde in mehreren Bauabschnitten die heutige Werkvolksiedlung mit 250 Wohnungen gebaut. Der damals gerade ernannte Würzburger Bischof Julius Döpfner sagte: "Wohnungsbau geht vor Dombau!" In Eibach wurde das in die Tat umgesetzt.

 

Jetzt aber platzte unsere Kirche St. Willibald aus allen Nähten. Sonntags wurden 3 Gottesdienste gefeiert. In der Frühmesse und im Pfarrgottesdienst konnte man noch einen Platz finden, in der Spätmesse aber sah das ganz anders aus: die Menschen standen in großer Zahl bei Wind und Wetter, bei Sonnenschein und Winterskälte auf dem Vorplatz der Kirche, auf dem Chor standen die Menschen so dicht, dass niemand mehr umfallen konnte, wer auf dem Chor keinen Platz mehr fand, der hatte auf den Treppenstufen sogar einen Sitzplatzplatz. Im vorderen Teil der Kirche sah das nicht anders aus: die Plätze bei den Seitenaltären wurden genutzt einschließlich der unteren Stufen zur Kanzel, im Altarraum standen die Menschen dicht gedrängt, sogar die Sakristei und der kleine darüber liegende Chor waren belegt. Wir Ministranten mussten uns in der Sakristei und im Altarraum manchmal regelrecht "durchkämpfen", wenn wir unseren Dienst verrichteten.


Zur Wandlung wurde die große Glocke geläutet, die Glockenseile hingen beim Eingang zum Chor. Anfänglich versuchten wir Ministranten das auch noch, später war das manchmal gar nicht mehr möglich. Die sonntäglichen feierlichen Maiandachten waren weitere Herausforderungen, wenn das Allerheiligste in einer Prozession durch die Kirche getragen wurde. Das sollte sich später in unserer neuen Kirche bei der ersten Christmette wiederholen.


Spätestens jetzt sah jeder, dass der längst geplante Kirchenneubau in Angriff genommen werden musste.  Pfarrer Mayer bereitete diesen Bau aber schon lange in den Herzen der Gemeinde vor, er machte ihn zum Anliegen aller und begeisterte dafür Jung und Alt schon seit Jahren. Auch das war eine seiner großen Fähigkeiten.


Was beim Bau von St. Willibald schon so war, das war auch jetzt so: die Pfarrangehörigen gehörten nicht zu den Wohlhabenden, hatten sie doch zum Teil alles verloren. Es war bewegend, wie selbst Kinder und Jugendliche ihre Sparbüchsen opferten für die neue Kirche! Auch die Ministranten wollten ihren Beitrag leisten. Man traf sich heimlich, der Geistliche Rat sollte davon ja nichts mitbekommen. Und man spielte sogar um Geld! So wanderte manche Deutsche Mark, die man bei Hochzeiten oder Taufen als "Trinkgeld" bekam, in diesen Topf.

 

Nachdem das Ordinariat in Eichstätt die Baugenehmigung für die neue Kirche erteilte hatte, fand am Sonntag, dem 15. März 1953, die feierliche Grundsteinlegung statt. Der Baufortschritt war fast atemberaubend. Die Außenmauern wuchsen immer weiter in die Höhe und die Turmhöhe schien kein Ende zu nehmen – wir hatten halt unsere alte Kirche als Maßstab vor Augen. Da traf die Pfarrei eine sehr schlechte Nachricht: Unser Geistlicher Rat war schwer erkrankt.  Kaplan Karl Weber trug nun die ganze Last des Kirchenneubaues. Es nimmt dem Geistlichen Rat Mayer nichts an seinen großen Verdiensten, wenn man herausstellt, welchen Anteil Kaplan Weber am Neubau hatte. Als schon zwei Monate nach der Grundsteinlegung, am 11. Mai, das Richtfest gefeiert wurde, da war es der Wunsch des Pfarrers, dass der Kaplan an seiner Stelle die Festrede hielt. Dies war ein Zeichen seiner Wertschätzung für den Kaplan.


Drei große Sorgen hatte die Pfarrei in dieser Zeit: die Krankheit des Geistlichen Rates, die Geldknappheit und der ehrgeizige Terminplan. Es war klar, dass eine Christmette 1953 in der alten Kirche nicht mehr möglich war.


Es war an einigen Stellen erkennbar, dass man sparen musste. So wurden die Außenwände der Kirche nicht verputzt, sondern nur verbandelt und gestrichen. Dieses Verfahren ist aber nicht auf Dauer angelegt und die Nachteile bzw. Schäden zeigten sich dann auch nach ein paar Jahren. Und an eine Kasettendecke des Kirchenschiffes, die mit gefärbten Strohmatten abgedeckt wurde, mussten sich die Eibacher auch erst gewöhnen.


Als der Glockenstuhl im neuen Turm fertig gestellt war, da setzte man die beiden Glocken um. Auch die Orgel von St. Willibald kam in die neue Kirche, wo sie noch viele Jahre ihren Dienst tat.


Am Sonntag vor dem Weihetag – es waren noch letzte Arbeiten zu erledigen – gelang den Besuchern der Frühmesse ein Blick in die neue Kirche. Was sie da sahen, das begeisterte. Der Architekt hatte mit der Innenarchitektur und der künstlerischen Ausgestaltung voll das Schönheitsideal der frühen 50er Jahre getroffen. Da waren klare Linien und schlichte Formen und ein heller, großzügiger Kirchenraum. Rauchblau war der durchgehende dezente, farbliche Akzent für die ganze Kirche. Kirchenbänke und Kassettendecke waren mit der gleichfarbigen, durchscheinenden Lasur gestrichen, die Strohmatten an der Kassettendecke und die Decke über dem Altarraum waren rauchblau, ebenso die Läufer im Altarraum: alles war ganzheitlich Ton in Ton.


Die Brüstungen über den beiden Sakristeien tragen heute noch die Wandmalereien, wie sie vor 60 Jahren angelegt wurden. Leider sind die Bilder an den Wänden über den Seitenaltären, die die vier Evangelisten und ihre Symbole zeigten, bei einer Renovierung überstrichen worden und sind damit verloren gegangen.


Beim Triptychon des Hochaltares war nur das Hauptbild farbig, die beiden Seitenflügel erst in schwarz-weiß aufgezeichnet. Nur die ersten Reihen der Kirchenbänke waren fertig geworden. Dahinter wurden die Bänke aus der alten Kirche aufgestellt und was dann immer noch fehlte, das wurde mit Biergartenbänken ergänzt. Heiligenfiguren stammten aus der alten Kirche, so die Muttergottes, die hl. Walburga, der hl. Josef und die hl. Theresia. Im Vorraum zur Kirche wurden zwei Figuren aufgestellt, die im "Depot" der alten Kirche schlummerten: Jesus, der Schmerzensmann und die Muttergottes, vom Schmerz durchbohrt.


So sahen also die Kirchenbesucher die neue Kirche. "Das ist ein Vorgeschmack auf das Paradies!", sagte eine Frau, sie drückte das aus, was viele so empfanden.


Dann kam der lang ersehnte Tag der Weihe von St. Walburga, der 20. Dezember 1953. Unser Bischof, der spätere Kurienkardinal Dr. Josef Schröffer, reiste schon am Vorabend an und er war nicht allein: mit ihm kamen alle Alumnen des Priesterseminars. Als Vorbereitung auf die Weihe war die Gemeinde eingeladen zu den Stundengebeten der Alumnen. Schon dies war ein feierliches Ereignis, das die Eibacher so noch nie erlebt hatten.


Die Liturgie zur Kirchenweihe begann am Morgen um 8.00 Uhr. Dekan Wagner, er war einer der ersten Kapläne in Eibach, führte in den Ablauf der Zeremonien ein und betete mit den Gläubigen um den Segen für diese Kirche.


Der Bischof umschritt die Kirche dreimal und besprengte die Außenmauern mit gregorianischem Wasser, das ist Weihwasser, dem Asche und Wein beigemischt wird. Beim ersten Umschreiten werden die Fundamente besprengt, beim zweiten Mal die Mauern in Mannshöhe, beim dritten Mal die aufragenden Mauern. Dann wurden die Reliquien, die in den Hochaltar eingemauert wurden, in Prozession zur Kirche gebracht.


Nach etwa einer Stunde zog der Bischof mit dem liturgischen Dienst in die Kirche ein. Dort nahm der Bischof wieder einige Zeremonien vor, so z.B. das Einzeichnen des griechischen und lateinischen Alphabetes in das Andreaskreuz aus Asche und das Besprengen der Innenwände der Kirche mit gregorianischem Wasser. Nachdem die Gläubigen über eine Stunde vor der Kirche standen, wurden nun die Kirchentore geöffnet, die Kirche wurde sehr voll.


Wesentliche Elemente bei der Kirchenweihe sind Einmauerung der Reliquien in den Hochaltar, die Salbung des Altares an fünf Stellen, das Verbrennen von Weihrauchkörnern und die Salbung der zwölf Apostelkreuze.


In einem Neubau riecht es immer nach Mörtel und Farbe. Nach den Weihehandlungen war dieser Geruch schnell verschwunden: mit Weihrauch wurde nicht gespart. Wir hatten vorher in zwei Jahren nicht so viele Kohlen und Weihrauch verbraucht wie bei diesem Weihegottesdienst. Mit einem der Rauchfässer musste Kaplan Weber während der Weihehandlungen den Hochaltar umschreiten. Das  fast eine Stunde lang. Als er meinte, es müsste eigentlich genug sein, da sah das der Sekretär und Zeremoniar des Bischofs anders und schickte ihn wieder auf den "Rundgang".


Nach all den Weihezeremonien feierte der Bischof den ersten Pontifikalgottesdienst in der neuen Kirche. Beim "Ite missa est" war es 12 Uhr 30. Die Gottesdienstbesucher hatten so lange ausgehalten! Man war ergriffen, glücklich und dankbar für dieses neue Gotteshaus. Auch die Alumnen waren sehr angetan. Jeder von ihnen wollte Kaplan in dieser "wunderschönen Kirche" werden. Bei Michael Harrer erfüllte sich dieser Wunsch einige Jahre später.


Die Kircheneinweihung war nicht nur ein Ereignis für die Katholiken. Viele Eibacher standen an der Hauptstraße als Geistlicher Rat Mayer mit Gästen in der Kutsche zum Festessen in den Schwarzen Adler und wieder zurück zur Kirche fuhr.


Am Nachmittag fand noch ein Festakt mit Ansprachen, Grußadressen und Glückwünschen statt. Besonders begeistert wurde Dekan Forster begrüßt, der erste Priester, der aus der jungen Pfarrei Eibach hervorgegangen war. Dekan Forster war Pfarrer in Wemding und das war die Pfarrei, aus der unser Geistlicher Rat Mayer stammte.


Ja - und dann kamen der Heilige Abend und die Feier der Christmette. St. Walburga hat seitdem nie mehr so viele Besucher gesehen, wie an diesem Abend. Als das Jesuskind in der "Vormette" in einer Prozession durch die Kirche getragen wurde, da standen die Menschen in den Gängen so dicht, dass es fast kein Durchkommen mehr gab. Es schien, als wäre ganz Eibach zur Christmette gekommen,  um mit uns zu feiern, darunter auch sehr viele evangelische Mitchristen.


Die Kirche St. Walburga war in Eibach angekommen.


Helmut Schötz



Fotobüchlein zugunsten des Kirchbaus



die Vorgängerkirche St. Willibald



Walburgakirche vom Schussleitenweg aus



Portal



Bischöfliches Wappen



Innenraum



Hochaltar



Tabernakel



Marienaltar




Madonna



Pietà



Hl. Josef




St. Walburga von der Hafenstraße aus