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Von Mathias Kempf 
 
K i r c h e n z e i t u n g 
22. Juni 2008 
 
für das Bistum Eichstätt  Nr. 25 
Ich will zurück nach Europa


Ganz im Zeichen Europas verbrachte die Gruppe aus Nürnberg-Eibach ein Wochenende mit Gemeindereferentin Irene Keil in Pfünz.

108 Teilnehmer beschäftigten sich beim Familienwochenende in Pfünz ausführlich mit der EU.

 

Was genau ist eigentlich die Europäische Union? Wo finden sich europäische Spuren in Eichstätt? Was bedeutet die EU für unser tägliches Leben? Diesen Fragen gingen 108 Teilnehmer aus der Pfarrgemeinde Nürnberg-Eibach bei ihrem Familienwochenende mit dem Motto "Europa: Volltreffer!" im Jugendhaus Schloss Pfünz nach. 

 

"Diese Familienwochenenden finden bei uns alle zwei Jahre statt", erzählt Irene Keil, Gemeindereferentin der Pfarrei, die zum Dekanat Nürnberg-Süd und somit zum Bistum Eichstätt gehört. "Der Termin stand schon, als wir feststellten, dass er in die Zeit der Fußball-Europameisterschaft fällt. Das wollten wir natürlich miteinbauen, zum einen in sportlicher Hinsicht, vor allem aber im Hinblick auf Europa." 

 

Das "Europa-Wochenende begann am Freitagabend mit einer Europa-Reise, bei der sich die "Mitfahrer" vorstellten und darüber sprachen, an welche Ziele der Ausflug nach Europa in diesen drei Tagen führen solle.



Was geschah in 21 Jahrhunderten Kirche in Europa? Das zeigte diese "Wäscheleine" auf.



Den Zehn-Euro-Schein zusammensetzen - eine der Aufgaben beim "Stationenlauf".

Der "Marktplatz Europa" am Samstag machte einen Hauptprogrammpunkt des Wochenendes aus: an verschiedenen Stellen im Jugendhaus verteilt waren "Marktstände", an denen die erwachsenen Teilnehmer sich die Informationen zu Europa aussuchen konnten, die sie interessierten, während die Kleinen spielerisch etwas über den Staatenverbund erfuhren, in dem sie leben.

 

So diskutierten die Teilnehmer beispielsweise zum Thema "Christentum in Europa – eine wechselvolle Geschichte". Dabei wurden kirchliche Geschehnisse in Europa vorgetragen und dann ins richtige Jahrhundert eingeordnet – symbolisch durch das Aufhängen des Geschehens an einer "Wäscheleine", die vom 1. bis zum 21. Jahrhundert reichte. Während es über die Jahrhunderte galt, sich auf die markanten Ereignisse zu konzentrieren, blieb der Zettel für das aktuelle 21. Jahrhundert leer. Statt dessen diskutierten die Teilnehmer mögliche, aber auch wünschenswerte Ereignisse, die in diesem Jahrhundert stattfinden könnten oder sollten. Und mit ihren vielen Vorschlägen bewiesen sie nicht nur Kreativität, sondern auch Weltverständnis.

 

Gleichzeitig "tagte" man im "Plenum" zum Thema "Der Euro". Hier wurden alte Währungen den richtigen Ländern zugeordnet und über die heutige Einheitswährung und ihren Ruf in anderen Ländern gesprochen. Dabei erfuhr man beispielsweise, dass die Menschen in Frankreich noch viel mehr in Francs umrechnen als die Deutschen in D-Mark, und dass es noch immer ein Dorf in Frankreich gibt, wo man die Einführung des Euro bis heute verweigert und weiter in Francs zahlt.


Weitere Programmpunkte waren "Robert Schuman: Katholik, Politiker, ‘Vater der EU’, zukünftiger Seliger?", "EU für Anfänger" (wo eine Sendung des "Kinderkanals" das Europäische Parlament erklärte), "EU für Könner: Quiz mit hohem Lern- und Blamagefaktor" und die "Zukunftswerkstatt Europa – Wie sieht das Europa unserer Kinder und Enkel aus?".

 

Die Idee war, Akzente zu setzen, die mit Europa zu tun haben, sagt Irene Keil. Wir wollten europäische Wurzeln und Horizonte entdecken. Die Idee wurde mit einem engagierten Vorbereitungsteam entwickelt. Wert wurde auch darauf gelegt, ein entsprechendes altersgemäßes Programm für die Kinder anzubieten. Die durften beim Stationenlauf ihr Europawissen unter Beweis stellen, wo sie typische Landesmahlzeiten der richtigen Nation zuordnen mussten oder auch auf eine Torwand schießen konnten.

WURZELN UND HORIZONTE


Das Vorbereitungsteam bestand aus acht Leuten, die sich per Ausschreibung aus dem Teilnehmerfeld rekrutierten. "Man braucht am Anfang nur einen kleinen Stamm, der sich engagiert, der Rest ergibt sich dann von selbst". Am Ende waren etwa ein Drittel der Teilnehmer auch in irgendeiner Form in der Organisation und Gestaltung mit tätig. 17 Jugendliche übernahmen  die Kinderbetreuung. Die zu finden sei, so Keil, nicht schwer gewesen: "Die erste sagt, dass sie da mitgeht, dann finden sich Freundinnen die auch dabei sein wollen. Das geht ganz automatisch." Einige hätten das Wochenende auch als "Firmpraktikum" gemacht. "Heilfroh", so Keil, sei sie auch über die Unterstützung durch das "Familienförderprogramm" der Diözese. Würde das Seelsorgeamt nicht die Beiträge der Kinder übernehmen, könnten sich einige Familien solch ein religiöses Bildungswochenende nicht leisten. Immerhin hätten von den 26 teilnehmenden Familien zwei je vier Kinder und fünf je drei Kinder.



Auf die Rolle der heiligen Willibald und Walburga als Europäer ging Bischofvikar Georg Härteis in seiner Führung ein.

"BESONDERE EUROPÄER"

 

Zwei ganz besondere "Gründergestalten Europas" standen in Eichstätt auf dem Programm: Bischofsvikar Georg Härteis, bei dem Keil vor über 25 Jahren ihr Praktikum  absolviert hatte, führte die Gruppe durch die Eichstätter Kirchen, unter besonderer Berücksichtigung des heiligen Willibald und der heiligen Walburga. Er zeigte auf, wie durch sie geistliche Impulse anderer Länder in unsere Lebensweise mit eingeflossen seien, wie Willibald Einflüsse aus dem Heiligen Land oder  den östlichen Kirchen mitbrachte und wie diese sich in unserer Liturgie, Kunst und Kultur verankerten.



Aushinftsfreudig gab sich "Apostel Paulus" bei einem Interview über seine Rolle als Europäer während des Gottesdienstes.

Den Abend verbrachten die Eibacher wahlweise mit der EM-Fußballübertragung oder bei einem literarischen Abend mit "Europäischen Kirchenkrimis". Am Sonntag stand neben einem Fußballturnier vor allem der Familiengottesdienst unter dem Motto: "Paulus – ein Volltreffer für Europa" an, den Domvikar Martin Geistbeck zelebrierte. Die Kollekte ging an die Aktion "Volltreffer".

 

Die Resonanz auf das Wochenende war, so Keil, überwältigend, sie bekomme ständig E-Mails, die das bestätigten. Nicht nur, dass sich 26 Familien aus der Gemeinde näher gekommen seien, alle Teilnehmer bestätigten auch einen echten Erfahrungszugewinn, was die verschiedenen Gesichter der EU, in politischer, sprachlicher, wirtschaftlicher, literarischer, sportlicher oder auch kirchlicher Hinsicht anbelangt. Und allen wäre auch noch einmal klar geworden was Geistbeck während des Gottesdienstes sagte: Dass wir dankbar sein können, in Europa zu leben, mit all seiner Kultur und seinem Rechtssystem. Und dass Europa aber auch eine fragile, gefährdete Sache ist, wenn Christen nicht bereit sind, sich einzumischen.

 

 

Das wohl schönste Resümee lieferte aber der fünfjährige Bub einer Teilnehmerfamilie. Er erklärte seinen Eltern schon einen Tag nach der Rückkehr nach Nürnberg: "Ich will wieder zurück nach Europa!"
 

Mathias Kempf

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