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Der Tod steht nicht am Ende

Familienkreuzweg auf dem Schweinauer Buck
Von Ute Wolf 
 
Verfasser:  Nürnberger Zeitung 
10.04.2007 
 
LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG 

Nürnberg hat seinen Burgberg. Einen Kalvarienberg, wie ihn sogar manche kleinste Dörfer besitzen, sucht man hier vergeblich. Immerhin: Ein Kreuzweg mit sieben Stationen führt vom Tiergärtnertor zum Johannisfriedhof. Er ist aber nur eine Kopie. Das Original mit Steinplastiken aus der Werkstatt von Adam Kraft hat seinen Platz im Germanischen Nationalmuseum gefunden.

 

Mit Hügeln ist die Stadt ansonsten nicht eben gesegnet. Dieser Mangel machte die Gemeinde St. Walburga in Eibach erfinderisch, erzählt deren Gemeindereferentin Irene Keil. Ein natürlicher Berg fehlt im Südwesten der Stadt, also griff man auf einen künstlichen zurück: auf den Schweinauer Buck zwischen Ringbahn und Südwesttangente. Der besteht zwar aus Schutt und Aushub, ist aber inzwischen kräftig begrünt. Die Familien aus dem Neubaugebiet auf der anderen Seite des Kanals schätzen ihn als Naherholungsgebiet. Der Schweinauer Buck wurde also vor fünf Jahren zum Schauplatz für einen Familienkreuzweg auserkoren.

 

Diese Idee fand so großen Anklang, dass sich im letzten Jahr auch die Gemeinden Maria am Hauch (Röthenbach) und St. Albertus Magnus (Stein) anschlossen. Am Karfreitag zogen die drei Gemeinden auch heuer wieder die nicht einmal einen Kilometer lange Strecke über das schmale Teersträßchen den Hügel hinauf. Schon der Start an der Johann-Wild-Straße war symbolträchtig: Das große Holzkreuz lehnt an einer auf dem Boden liegenden Betontreppe, die noch auf ihren Einbau in einem der in der Nähe entstehenden Häuser wartet.

 

„Jesus hat Angst“


Viele Menschen haben sich versammelt, um gemeinsam den Leidensweg Christi nachzugehen. Irene Keil hat die klassische Form des Kreuzwegs mit sieben Stationen gewählt, nicht die seit dem Barock üblichere mit vierzehn. Das ist kindgerechter, und darauf kommt es beim Familienkreuzweg schließlich an. Nach einem ersten Lied und Gebet setzt sich der Zug in Bewegung zur modernen Fußgängerbrücke, die über den Kanal zum Schweinauer Buck führt. Die Kinder der drei Gemeinden, die demnächst Erstkommunion feiern, werden das große Kreuz abwechselnd tragen.

 

Erste Station: „Jesus hat Angst“. Da es keine bildliche Darstellung dafür gibt wie sonst bei Kreuzwegen, lässt Irene Keil die Kinder die Station mit einem dunkelblauen Tuch markieren, das zwei Kinder zwischen sich hochhalten. „Jesus hat Angst“, beginnt ein Text, der vorgelesen wird und weitergeht: „Auch heute haben Menschen Angst – auch Kinder.“ Die sollen nachdenken und sich erinnern, wann sie zuletzt so richtig Angst hatten. Dann wird das blaue Tuch am Kreuz festgebunden, das die nächsten Kinder übernehmen, und es geht weiter. Unten am Kanal bleiben Spaziergänger stehen, wundern sich über die immer länger werdende Prozession, die sich langsam den Buck hinaufschiebt.

 

Station Nummer zwei: „Jesus wird gegeißelt und mit Dornen gekrönt“, mit passendem Lied begleitet, diesmal durch ein blutrotes Tuch symbolisiert. Die Kinder überlegen, wann sie von anderen gequält und verspottet wurden – vielleicht, weil sie in punkto Kleidung nicht mit den anderen in der Klasse mithalten können, weil sie zu schüchtern oder auch zu unsportlich sind. Die vorgelesenen Texte machen ihnen klar: Auch heute müssen Menschen schwere Lasten tragen, sie sehen nur nicht immer aus wie ein Kreuz. Krankheit und Gewalt sind Erfahrungen, mit denen manche Kinder tagtäglich konfrontiert werden. Sie erkennen: Die Leidensgeschichte von Jesus passt auf jeden, egal, ob groß oder klein, jung oder alt. Je weiter der Zug den Hügel erklimmt, desto weiter wird die Sicht auf die Stadt und ihre Vororte. Der spitze Kirchturm von St. Walburga glänzt in der so gar nicht karfreitagsgemäßen hellen Sonne.

 

An jeder Station kommt ein neues Tuch hinzu, violett, grau, braun und schwarz: die dunklen Farben des Karfreitags, die – eine nach der anderen – den Querbalken am Kreuz schmücken. Das wird schließlich dort, wo die Straße in einem Wendeplatz endet, behutsam auf eine am Boden ausgebreitete Decke gelegt: Jesus stirbt am Kreuz, um das alle einen großen Kreis bilden. Dann dürfen sie niederknien und es berühren. Zunächst zögern die meisten. Doch dann treten sie hervor, Mädchen, Jungen, Mütter, Väter, Omas und Opas.

 

Weil es aber ein Kreuzweg hauptsächlich für Kinder ist, lässt Irene Keil ihn nicht mit dem Tod enden. „Seht das Zeichen, seht das Kreuz, es bedeutet Leben“, singen sie an der siebten Station auf dem „Gipfel“ des Bucks. Die Buben, die bald in St. Walburga zur Erstkommunion gehen, sind am Ende so beflügelt, dass sie das Kreuz den ganzen Weg allein wieder hinuntertragen. „Ein gutes Gefühl“, sagen sie.

Ute Wolf

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