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2. August 2009

"Wo sich Himmel und Erde begegnen"

"Cella St. Walburga" in der Klosterstadt Waldsassen

Neun Frauen der "Cella St. Walburga" beteiligten sich am Sommerausflug der Gebetsgemeinschaft, der am Samstag, 1.8.2009, in die Klosterstadt Waldsassen führte.

 

Die kurze Zeit zwischen der Ankunft in Waldsassen und dem ersten Programmpunkt nutzen die Frauen je nach Lust und Laune zu einem Cappuccino auf dem Johannisplatz oder zu einem orientierenden Stadtrundgang, bevor die Gruppe an einer Führung durch die mächtige barocke Stiftsbasilika teilnahm, die 1685 anstelle des ursprünglichen, zisterziensich-schlichten gotischen Gotteshauses erbaut wurde. Berühmte Künstler wirkten am Bau und an der Ausstattung der Basilika mit, wie z.B. die Gebrüder Dientzenhofer und Giovanni Battista Carlone.

 

Das Auge des Betrachters findet an vielen Stellen "Anziehungspunkte", seien es die Rosenkranzgeheimnisse oder die Gründungslegende des Klosters in den Deckengemälden, die Seitenaltäre mit den "heiligen Leibern" (Gebeine von zehn römischen Märtyrern), die Statuen der Kirchenväter in der Vierung, der Hochaltar mit dem Kugeltabernakel oder das reich verzierte Chorgestühl aus Lindenholz. Die Stiftskirche wird nicht nur als Pfarr- und Hochzeitskirche genutzt, sondern zieht wegen ihrer berühmten Orgel und der vorzüglichen Akustik Musiker und Chöre gleichermaßen an.

 

Im stilvollen Klosterstüberl des 2008 eröffneten Gästehauses St. Joseph genossen die Frauen ein köstliches Mittagessen. Ein besonderer "Gag" auf der Speisekarte ist der Vorschlag "Essen wie die Schwestern": dabei serviert der Wirt die Suppe und das Hauptgericht, das auch im Refektorium auf den Tisch kommt; drei der "Cella-Schwestern" haben das klösterliche Mahl probiert (Gemüsecremesuppe und Quarkauflauf mit Früchten) und waren sehr zufrieden. - In unmittelbarer Nähe zum Klosterstüberl liegt der ebenfalls neu eröffnete Klosterladen, in dem die meisten der Teilnehmerinnen fündig wurden.

 

Um 14.00 Uhr war die Gruppe zu einem Gespräch mit Frau Äbtissin M. Laetitia Fech eingeladen - für viele wohl die eindrucksvollste Stunde des Tages. Zunächst erzählte sie aus der wechselvollen Geschichte der Abtei und zeigte dazu Bilder. Mit ihrer Wahl zur Äbtissin im Jahr 1995 übernahm sie ein schweres Erbe: der Konvent hatte über mehrere Jahrzehnte keinen Neueintritt mehr verzeichnet und die Sanierung des maroden Klosterkomplexes stand an. Beherzt und mit viel Gottvertrauen übernahm sie die ihr gestellten Aufgaben. 

 

Äbtissin Laetitia holte Politiker, Wirtschaftsbosse, Promis und Kulturschaffende ins Boot, ließ durch eine Machbarkeitsstudie untersuchen, welche ganz besondere Chance und Aufgabe das Kloster Waldsassen in Zukunft habe, stellte eine Homepage ins Internet (www.abtei-waldsassen.de) und ordnete Supervision für den Schwesternkonvent an. Es zeigte sich, dass folgende drei "Säulen" das Überleben des Klosters sichern bzw. für eine Neubelebung sorgen können: die Spiritualität (vermittelt durch die Liturgie, durch Kurse im Bildungshaus, durch die Arbeit in Schule und Bibliothek), die Musik (durch die Pflege des gregorianischen Chorals, der Kirchenmusik, der geistlichen Oper wie auch der weltlichen Musik) und die Bewahrung der Schöpfung (durch die Umgestaltung des Klostergartens in ein Umwelt-Bildungszentrum).

 

Der Erfolg gibt Äbtissin Laetitia recht: Aus dem "Kloster am Ende der Welt" ist ein "Kloster im Herzen Europas" geworden. Wenn alles nach Plan läuft, findet die Generalsanierung der denkmalgeschützten Gebäude nach 15 Jahren und fünf Phasen im Jahr 2010 endlich ihren Abschluss. Die zahlreichen Neueintritte von jungen Frauen in den letzten Jahren zeigen: das kontemplative Leben ist  kein Auslaufmodell, sondern hat seine Anziehungskraft bewahrt. Danach gefragt, auf welchen Wegen junge Frauen ausgerechnet auf das Kloster Waldsassen stoßen, antwortete Frau Äbtissin, dass die Erstkontakte erstaunlicherweise fast immer über das Internet bzw. über E-Mail erfolgten - ein Beweis dafür, dass sich Konvente diesen modernen Errungenschaften nicht verschließen dürften!

 

Die kleine Gemeinschaft umfasst nunmehr wieder zwölf Schwestern; der Altersdurchschnitt ist durch die Neueintritte von 70 (im Jahr 1995) auf  50 Jahre (2009) gesunken. Die jungen Schwestern kommen aus allen möglichen Berufen - Bautechnikerin, Lehrerin, Floristin, Ärztin, BWL-Studentin, Stickerin - und können entsprechend ihrem Talent in vielen Arbeitsbereichen eingesetzt werden: im Tagungsbetrieb des Kultur- und Begegnungszentrums, im Gästehaus und im Klosterladen, im Umwelt-Bildungzentrum, in der ordenseigenen Realschule, der Paramentenstickerei und der berühmten Bibliothek.

 

Frau Äbtissin ließ es sich nicht nehmen, unsere Gruppe anschließend selbst durch die Bibliothek zu führen. Mit hohem Sachverstand und "Augenzwinkern" erläuterte sie u.a. die Bedeutung der lebensgroßen, von Karl Stilp kunstvoll geschnitzten Atlanten, die die Galerie tragen, und die Deckengemälde mit Szenen aus dem Leben des wohl bedeutendsten Zisterziensers, des hl. Bernhard von Clairvaux. Leider ist der originale Buchbestand in der Zeit der Säkularisation fortgeschafft und vernichtet worden.

 

Nach soviel Kultur hatten die Frauen Gelegenheit, in der Natur - genauer: im Kloster- und Umweltgarten - zu entspannen. Mehrere Gärten mit verschiedenen Themen reihen sich aneinander: ein Kneipp-Garten, ein chinesischer Garten, ein Hildegard-von-Bingen-Garten, einen Bauerngarten, einen Mariengarten, einen Naturlerlebnispfad... Wegen der großen Hitze nahmen gern manche die Gelegenheit zum Kneippen im Wassertretbecken wahr, bevor die Gruppe sich zum Vespergebet mit den Schwestern versammelte.

 

Wegen des Umbaus der Chorkapelle fand die Vesper im Klausurbereich statt, zu dem wir ausnahmsweise Zutritt erhielten. Die Schwestern sangen die Psalmen im cisterciensischen Choral und in lateinischer Sprache. Für die Gäste waren Hefte zum Mitlesen vorbereitet. - Am Ende dieses erfüllten Tages gönnten sich die Frauen der "Cella" noch einige Minuten der Reflexion im Stadtpark Schwanenwiese, um danach wieder den Heimweg nach Nürnberg anzutreten.       


Von: Irene Keil